Olga (Kochanovskaya) von Kiev-Florovsky, Närrin in Christo



Gedächtnis: 16. / 29. Oktober
Unter den Asketen des 20. Jahrhunderts findet sich eine besondere Schar von Gottesdienern, die nach dem Vorbild der Heiligen früherer Zeiten durch eine „vorgetäuschte Torheit die Torheit der Welt entlarvten“. Mit der Gnadengabe geistlicher Einsicht und der Fähigkeit, im Gebet den Willen Gottes zu erkennen, war auch die Stariza und Närrin um Christi willen, die selige Nonne Olga Kotschanowska, begnadet, die im Christi-Himmelfahrts-Frauenkloster Floriv in Kiew ihren asketischen Kampf führte.
Die selige Olga entstammte einer Adelsfamilie. Sie wurde im Jahr 1887 geboren, in Frömmigkeit erzogen und erhielt eine gute Bildung. Sie beherrschte mehrere Sprachen, und ihre vornehme Erziehung und Wohltätigkeit zeigten sich während ihres ganzen Lebens, selbst in den Jahren, in denen sie die Narrheit um Christi willen auf sich genommen hatte.
Olga liebte die Einsamkeit, war eine eifrige Anhängerin eines frommen Lebens und betete häufig während der Nacht, wobei sie im Gebet Freude und Trost fand. Eines Nachts erschien ihr, wie die Überlieferung berichtet, während des Gebetes die Gottesmutter selbst, rief sie und segnete sie zu einem Leben „um Christi willen“. Wie die selige Olga später selbst erzählte, war die Stimme der Allreinen Gottesgebärerin von der Kasaner Ikone der Gottesmutter ausgegangen.
Nach dieser wunderbaren Erscheinung der Allerheiligsten Gottesgebärerin änderte sich Olgas Lebensweise grundlegend und entsprach nicht länger den weltlichen Erwartungen, die in ihrer Familie und ihrem gesellschaftlichen Umfeld üblich waren.
Dem Segen der Starzen der Einsiedelei von Glinsk folgend, brachte der Gutsbesitzer Iwan Kotschanowski im Jahr 1905 seine achtzehnjährige Tochter Olga in das Floriv-Kloster. Zeitgenossen erinnerten sich an sie bei ihrer Ankunft als an ein „Mädchen von außergewöhnlicher Schönheit und stattlicher Erscheinung, in kostbarer Kleidung, mit einem verschleierten Hut und teuren Schuhen“. Sie brachte ein Evangelium mit sich, von dem sie sich später niemals mehr trennte.
Ihr Vater ließ für Olga auf dem Gelände des Floriv-Klosters eine eigene Zelle errichten, die sich neben dem Klosterfriedhof befand. Die Nächte verbrachte Olga im Gebet zwischen den Gräbern, während sie tagsüber ihre Gehorsamsdienste im Kloster erfüllte. Häufig legte sie sich zum Schlafen nicht auf ihr Bett, sondern auf den Fußboden. Besonders neugierigen Schwestern erklärte sie dies damit, dass es ihr im Bett zu heiß sei.
Die selige Olga besaß die Gabe, zukünftige Ereignisse vorauszusehen, und bewahrte durch ihre Gebete die Menschen in ihrer Umgebung nicht selten vor Unglück. Ihre Gabe geistlicher Einsicht verbarg sie hinter äußerlich unsinnigen Handlungen. Nach und nach bemerkten die Menschen jedoch, dass sich hinter der Narrheit der Seligen Gaben des Heiligen Geistes verbargen: Was ihre Lippen aussprachen, erfüllte sich. Mit der Zeit wandten sich nicht mehr nur Laien an sie, sondern auch Priester suchten sie auf, um von ihr geistliche Unterweisung zu empfangen.
Manche ihrer Handlungen wurden den Augenzeugen erst nach längerer Zeit verständlich. In den Berichten über ihr Leben sind zahlreiche solcher Begebenheiten überliefert.
Im Jahr 1917 begannen die Verfolgungen gegen die Kirche. Vor den kommenden Bedrängnissen hatte die selige Olga gewarnt und dabei auch die bevorstehende Schließung des Floriv-Klosters vorausgesagt. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, als Kirchen und Klöster geschlossen und Geistliche verhaftet, verbannt oder erschossen wurden, suchten die Menschen umso mehr solche lebendigen Träger des Glaubens wie die Nonne Olga auf und baten sie um geistlichen Rat und Trost. Die Schließung ihres Klosters wurde für die Selige selbst zu einer schweren Prüfung, die sie in Demut, Geduld und Gebet ertrug.
Gewöhnlich betete sie tief in der Nacht oder früh am Morgen, wenn alle anderen noch schliefen. Punkt vier Uhr morgens stieg die Selige gemeinsam mit Mutter Maria auf den Wladimirhügel in Kiew hinauf, wo sie ihren Gebetskampf vollbrachte.
Der heiligen Eucharistie begegnete die selige Olga stets mit außerordentlicher Ehrfurcht. Sie liebte das Gotteshaus, beichtete und empfing die heiligen Mysterien Christi.
Das ganze Leben der seligen Olga war eine lebendige Erinnerung an das höchste Ziel des menschlichen Lebens, an das „eine, das nottut“ (Lk 10,41). Indem sie in den Mühen der Selbstverleugnung immer weiter voranschritt und Gott und ihren Nächsten aufopferungsvoll diente, gelangte die selige Stariza Olga schließlich an die Grenze ihres irdischen Lebens.
Drei Jahre vor ihrem Tod sagte sie voraus, dass sie im Spätherbst sterben werde. Zugleich kündigte sie an: „Nach mir wird auch Mutter Äbtissin Animaïsa gehen“, und fügte hinzu, dass sie „nicht weit voneinander entfernt liegen werden“.
Tatsächlich entschlief die Äbtissin des Floriv-Klosters, Animaïsa (Kaidanowska-Butkowska; † 22. November 1971), kurze Zeit nach dem Tod der Seligen und wurde auf dem Swirynez-Friedhof in einer Entfernung von etwa zwanzig Metern von deren Grab beigesetzt.
Vor ihrem Tod sagte die selige Olga: „Richtet allen, die mich kennen, aus: Wenn sie meiner gedenken und zum Herrn beten, werde auch ich vor dem Schöpfer für sie Fürsprache einlegen.“
Zu ihren geistlichen Kindern sagte sie: „Ich werde euch nicht verlassen. Kommt zu mir ans Grab.“
Dies waren ihre letzten Worte. Die selige Mutter Olga entschlief am 29. Oktober 1971 und fand auf dem Swirynez-Friedhof in Kiew ihre irdische Ruhestätte. Ihr liturgisches Gedächtnis wird an ihrem Entschlafungstag, dem 16./29. Oktober, begangen.
Für ihre Geduld, ihre Demut und ihre außergewöhnlichen asketischen Mühen sowie für ihre beständige Bereitschaft, für Christus zu sterben, wurde die selige Olga vom Herrn mit verschiedenen Gnadengaben beschenkt: mit der Gabe der Weissagung, der Heilung und der Wundertätigkeit. Die prophetische Gabe zeigte sich bereits während ihres irdischen Lebens; Wunder und Heilungen von Kranken ereigneten sich sowohl zu ihren Lebzeiten als auch nach ihrem Heimgang auf Gebete hin, die an die Gottesdienerin gerichtet wurden. Davon zeugen zahlreiche Menschen, welche die Wirkung der gnadenvollen Kraft der seligen Asketin an sich selbst erfahren hatten.
Mehr als sechzig Jahre lang führte die selige Olga Kotschanowska ihren asketischen Kampf im Floriv-Kloster in Kiew. Ihr Name wurde täglich in den Synodika des Klosters, im Altar und während der Lesung des ununterbrochenen Psalters kommemoriert. An ihrem Todestag, dem 29. Oktober, versammelten sich besonders viele Menschen an ihrem Grab auf dem alten Swirynez-Friedhof. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang wurde das Andenken an die selige Olga von den frommen Bewohnern Kiews und weit über die Stadt hinaus als Beispiel geistlicher Vollkommenheit und völliger Selbstverleugnung aus Liebe zu Christus verehrt.
Am 18. / 31. August 2026, dem Gedächtnis der heiligen Märtyrer Florus und Laurus, wurde die Nonne Olga Kotschanowska während der Göttlichen Liturgie im Christi-Himmelfahrts-Frauenkloster Floriv in Kiew, in dem sie mehr als sechzig Jahre lang ihren asketischen Kampf geführt hatte, feierlich verherrlicht und in die Schar der Heiligen aufgenommen.
Die heilige Olga bezeugte durch ihre außergewöhnlichen Mühen der Demut und Selbstverleugnung an sich selbst jene Worte des heiligen Apostels Paulus: „Mir aber sei es fern, mich zu rühmen, außer des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14).
Quelle: Synodale Informations- und Bildungsabteilung der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, „Житіє блаженної Ольги Флорівської, Христа ради юродивої“, veröffentlicht am 31. August 2026.
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